MediaCulture-Online Blog

09.08.2012 | Constantin Schnell

Der Spitzer geht um

Die Welt des Manfred Spitzer ist einfach. Elektronische Medien sind für Kinder schlecht. Punkt. Mit dieser steilen These zieht er zurzeit durch die (elektronischen) Medien, um für sein neues Buch Digitale Demenz. Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen zu werben. Doch mehr als den Verkauf seiner Bücher (immerhin elf Titel in zehn Jahren) interessiert ihn, sein Weltbild unter die Menschen zu bringen.

 

In den Ohren besorgter und manchmal leider auch hilfloser Eltern mögen seine schlichten Thesen („Fernsehen macht dumm, dick und gewalttätig“) nur allzu richtig klingen. Und seine ebenso simplen Handlungsanweisungen ebenfalls (wie z.B. dass man erst ab dem 14./15. Lebensjahr vor den Bildschirm sollte). Doch leider ist die Welt komplexer. Und so verhält es sich bei Spitzers Thesen nicht anders wie bei allen anderen einfachen Wahrheiten: Wenn man die Sache differenziert betrachtet, fällt die oberflächlich so überzeugend klingende Wahrheit in sich zusammen.

Was ist gut für Kinder? Eine klare Farbkennzeichnung kann helfen. Bild: San José Library, Lizenzen: CC BY-SA

Im Kern problematisch ist aber weniger das schlichte Weltbild, sondern dass es unter dem Deckmäntelchen der Wissenschaftlichkeit daherkommt. Manfred Spitzer ist sehr damit beschäftigt, so scheint es, Studien aufzuspüren und auszuwerten. Seine Interpretation dieser Studien läßt er gerne durch Phrasen wie „dazu gibt es Studien…Studien belegen…es ist nachgewiesen…“ in Interviews einfließen. So wird ganz schnell wissenschaftlich fundiert, was doch nur Meinung ist.

 

Rhetorisch kann man fragen, ob ein schlichtes Weltbild, eine vorgefasste Meinung und scheinbare Wissenschaftlichkeit beim Umgang mit medienkonsumierenden Kindern und Jugendlichen wirklich helfen. Die allermeisten Medienpädagogen gehen die Sache pragmatischer und weniger normativ an als Manfred Spitzer. Sie propagieren den kompetenten Umgang mit Medien. Es ist wie mit dem Autoverkehr: durch Autos werden jedes Jahr viele Menschen verletzt oder getötet. Hilft es weiter, Autos zu verteufeln? Oder ist es besser, Kindern das richtige Verhalten im Straßenverkehr beizubringen?

 

Anmerkung: Mit Manfred Spitzer und der These, dass Bildschirmmedien dumm machen, haben wir uns auch in einer Stellungnahme auseinandergesetzt.

Medienbildung

Heiner Holl, 02.04.2016 um 10:09
Zitat aus Ihrer Stellungnahme:

"Es ist richtig, dass exzessiver, einseitiger, isolierter Medienkonsum viele Gefahren in sich birgt." (exzessive Schmarrn-Phone-Nutzung trifft ja wohl in viel zu vielen Fällen bei viel zu vielen zu jungen Menschen zu).

Nichts anderes sagt Spitzer und er - Sie kaum - benennt auch die Gefahren und versteht vielleicht auch ein gaaaaanz klein bißchen was von Hirnentwicklung beim homo sapiens sapiens (oder doch bald lieber wieder demens, aber mit Sicherheit media-competens?).

Wenn ich mir heute als doch wohl medienkompetenter Erwachsener (Dipl.Ing., Lehrer, Nachhilfelehrer in zahlreichen Fächern, also Math, Physik, Chemie, Englisch, Franz., Ital., Latein usw usw meist auch über das Abi hinaus) anschaue, was unsere (weniger begabten und oft schon durch "exzessiven Medienkonsum" beaufschlagten und durch die von Ihnen angedeuteten Gefahren geschädigten) Kinder und Jugendlichen tatsächlich noch können und aufnehmen können, dann kommt mir oft das Grausen. Besonders wenn ich sehe, wie man heute in Kultusbürokratien und "Medienzentren" meint, die jungen Leute auf den richtigen Weg bringen zu sollen. Pestalozzi, Comenius, Montessori, Kerschensteiner und so gut wie alle anderen Bildungs-Säulenheiligen rotieren wohl mit ansteigender Drehzahl in ihren Gräbern!

Ich nutze mein Schmarrn-Phone so gut wie ohne Internet, weil ich alles Nötige off-line drauf habe, mehr als ca. 10 bis 20 MB/Monat on-line brauche ich nie und sog. "soziale" (in diesem Zusammenhang bestenfalls: kotz-würg!) Medien stehlen mir jedenfalls nicht meine wertvolle noch verbleibende Zeit.
Übrigens kommt auch in Ihrer Stellungnahme so nebenbei zum Vorschein, daß der Verfasser, oder sogar diejenigen, die das Papier gegengelesen haben, in der deutschen Grammatik nicht unbedingt sattelfest sind, läßt tief blicken!?!
und wo sind denn Ihre wissenschaftlichen (bitte wissenschaftlich!) Studien und Ihre Auseinandersetzung mit den Studien, die Spitzer nennt?

tut mir leid, ziemlich dürftig, was Sie bringen.

und übrigens: das unten nachzuschreibende Captcha-Code-Feld ist eine reine Katastrophe, wurde wohl von Medienprofis erstellt.
Heiner Holl, 02.04.2016 um 11:35
Das Streitgespräch Aufanger/Spitzer hab ich als mp3-Datei gefunden, wo ist die mp3-Datei von Jantke/Spitzer?
Mangelt es etwa hier an Medienkompetenz? bei mir? bei Ihnen?

(der code unten ist immer noch eine Katastrophe, verkakeimern kann ich mich selber!)
Jiří Hönes, 04.04.2016 um 10:55
Lieber Herr Holl,

das Streitgespräch Jantke/Spitzer wurde offenbar von der Deutschlandradio-Redaktion offline genommen. Ich habe dort angefragt, ob dies Absicht oder ein Versehen war. Sie hören von mir, sobald ich eine Antwort habe.

Mit freundlichen Grüßen
Jiří Hönes
Jiří Hönes, 04.04.2016 um 12:02
Habe soeben die Nachricht erhalten, dass der Beitrag aus datenschutzrechtlichen Gründen entfernt wurde. Generell darf das Deutschlandradio die Sendungen nur sechs Monate bereitstellen. Habe den Link im Originalbeitrag daher entfernt.
Alfred Epple, 21.10.2017 um 16:47
Ich finde es schon bemerkenswert, auf welche Weise Herr Spitzer angegangen wird. Es wird ihm ja schon als Manko angekreidet, dass er wissenschaftliche Studien zitiert. Was soll ein Wissenschaftler denn sonst zitieren um seine Erkenntnisse zu untermauern? Selbst wenn ich seine Erkenntnisse unbequem finde, kann ich immer noch einen Weg für mich finden, mit den modernen Medien umzugehen. Dass Politiker mit diesen Erkenntnissen anders umgehen müssten, ist wohl eine Binsenwahrheit, aber beim Thema Rauchen hat man ja auch eine Weile gebraucht, um die Tatsachen zu akzeptieren und Schlüsse daraus zu ziehen.
LehrerinMutterKritiker, 16.11.2017 um 22:04
Menschenskinder nochmal Herr MEDIENPÄDAGOGE - wie oft, bzw. offensichtlich wie selten lesen Sie z.B. in der Nature oder anderen Fachblättern? "Spitzers" Thesen finden sich doch schon seit langer Zeit überall, wo Menschen nicht aufgehört haben zu denken!
Prof.Dr. Krüger, 17.11.2017 um 23:49
Wer wie ich als Professor erlebt hat, daß Studenten des ersten Semesters, gerade auch im Ländle wohl die ständig online verfügbare Google-Universität bedienen können, nicht aber eine halbe Seite korrekt und kohärent verfaßten deutschen Text als Seminararbeit verfassen können, weiß, daß der Kollege Spitzer recht hat.
An der Wissenschaftlichkeit seiner Methoden besteht kein Zweifel.
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